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Gründung der Feuerwehr

Im Jahr 1818 beschloß die hessische Regierung in Darmstadt Feuerspritzen für den "Canton Werrstadt" anzuschaffen. In einem Besichtigungsprotokoll der großherzoglichen Regierungskommission ist zu entnehmen das auch in der "Comune" Wallertheim mit Niederweinheim (seit 1869 lautet der amtliche Name des Dorfes Gau-Weinheim) eine solche Feuerspritze stationiert wurde. Unter der Verwaltung des Grosherzogtums Hessen wurden die Gemeinden nach und nach mit Feuerleitern, Feuerhaken sowie anderem Löschgerät ausgestattet. In Orten unter 500 Seelen mußten mindestens 1 Feuerleiter und 2 Feuerhaken vorhanden sein. Jeder Bürger mußte einen ledernen Feuereimer besitzen um die Feuerspritze, die damals noch kein Wasser ansaugen konnte, zu befüllen. Oftmals war ein Löschen mit Wasser nicht möglich, so daß man nur mit den Feuerhaken das brennende Haus abreißen konnte, um ein Übergreifen auf die Nachbargebäude zu verhindern.




Ab 1870 hatte sich in Deutschland der Gedanke zur Gründung freiwilliger Feuerwehren durchgesetzt. Nach einer im Jahre 1888 erstellten Statistik gab es in der Provinz Rheinhessen 36 Feuerwehren mit 1915 freiwilligen und 2273 Pflichtfeuerwehrmänner mit 118 Spritzen. Die Landesfeuerlöschordnung vom 11. Oktober 1890 sagte aus, dass in Gemeinden mit bis zu 400 Einwohnern, eine vierräderige einstrahlige Saugfeuerspritze, welche in der Minute mindestens 150 Liter Wasser 25 m weit auswirft, 50 m Druckschläuche, 2 Anstellleitern, 2 Dachleitern, 2 Feuerhaken, 25 Feuereimer, 3 bis 6 Erdölfackeln, worunter eine oder mehrere mit Dreifuß, vorhanden sein sollen. Die Feuerwehr Gau-Weinheim besitzt heute noch einen handgezogenen Schlauchwagen der Marke CD Magnus aus dem Jahr 1886. Der mittlerweile renovierte Wagen ist wohl der älteste Zeitzeuge unserer Wehr und wird bei so manchen Feuerwehrfesten stolz zur Schau gestellt.


Da die Unterlagen über die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Gau-Weinheim in Verlust geraten sind, ist es heute nicht mehr möglich den Gründungstag festzustellen. Das um 1921 geordnete und vor 1938 als Depositums in das Staatsarchiv Darmstadt gegebene Gemeindearchiv ging beim Bombenangriff auf Darmstadt am 11.- l2. 09. 1944 völlig verloren. Im Inhaltsverzeichnis des verbrannten Depositums ist unter der Kategorie "XXVII. Feuerpolizei" ein Brandkataster (2 Bände) aus den Jahren 1830 und 1845 erwähnt. Heute noch im Gemeindearchiv vorhanden ist die "Stammrolle für die Feuerwehrmannschaft in Gau Weinheim". In diesem Dokument ist als Jahr des Diensteintritts von Johann von der Au 1881 angegeben. Älterer Mitbürger können bestätigen daß im Jahr 1918 in Gau-Weinheim die Freiwillige Feuerwehr auch schon aktiv bei der Brandbekämpfung beteiligt war. Das Feuerwehrgerätehaus befand sich damals neben der katholischen Kirche in der Mittelgasse. Der Gemeindeturm nebenan wurde zum "Sturm" läuten und zum Trocknen der durchnässten Schläuche benutzt. Sie wurden dort nach einem Brand oder einer Übung zum Trocknen aufgehängt. Kommandant der Feuerwehr und des Kriegervereins war Hermann Hofmann wohnhaft in der Mittelgasse heute Haus Hein.

1934 waren mehr als 70 Personen in der Feuerwehr

Ein altes noch vorhandene Dokument über die Feuerwehr Gau-Weinheim ist eine Einteilungsliste aus dem Jahr 1934. Am 4. März 1934 fand eine Übung der Pflicht-Freiwilligen Feuerwehr zu Gau-Weinheim statt, an der 39 Mitglieder anwesend waren. Befehlshaber waren Reinhold Weber und der Stellvertreter war Karl Stumm. Die Feuerwehr bestand zu dieser Zeit aus dem Stab bzw. Vorstand mit Befehlshaber und Stellvertreter, Schriftführer, Kassierer, Beisitzer, Signalisten, Spritzenmeister und dessen Stellvertreter. Hinzu kamen die I. Abteilung mit Steiger und Sanitäter, die II. Abteilung war die Spritzenmannschaft, die aus der 1. Spritze und der 2. Spritze bestand, die III. Abteilung war die Hydrantenmannschaft, die IV. Abteilung bestand aus der Ordnungsmannschaft und den Verantwortlichen für Bespannungen und Kraftfahrzeuge. Insgesamt waren in dieser Einteilungsliste 70 Personen eingetragen. Jeder der noch nicht 65 Jahre alt war mußte damals zur Feuerwehr. Die bis 1933 selbstverwaltete Feuerwehr wurde 1938 als "technische Hilfspolizeitruppe" in den Bereich der Polizei unterstellt.

Feuerwehrgerätehaus in der Hochstraße wird gebaut

Am 4. Juni 1947 wurde die alte Feuerspritze aus dem Jahr 1860 als veraltet verworfen und durch eine neue TS8 Motorspritze ersetzt. Kommandant zu dieser Zeit war Jakob Elz und Stellvertreter war Heinrich Müller. Im Jahre 1948 baute man das Feuerwehrgerätehaus in der Hochstraße neben dem Büro der Ortsverwaltung auf Anregung des damaligen Ortsbürgermeisters Johann Karl Schuster. Die franz. Mil. Regierung verpflichtete 1949 per Landesgesetz über Brandschutz zusätzlich zur freiwilligen Feuerwehr eine Ergänzungsmannschaft von 23 Personen. Im Jahr 1950 war Christian Müller Brandmeister und Jakob Elz Stellvertreter. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Freiwillige Feuerwehr Gau-Weinheim am 6. Januar 1952 mit 25 Mann neu gegründet. Befehlshaber war Johann Borniger und dessen Stellvertreter war Wilhelm V. Müller. Am 7.5.1960 fand in der Kinderschule ein weiterer Führungswechsel statt: Zum ersten Wehrleiter wurde der Gruppenführer Ernst Mann zum zweiten Wehrleiter der Feuerwehrmann Arno Enders gewählt. Im Jahr 1965 wurde die Feuerwehr mit einem TSA8 Anhänger ausgestattet, welcher von einem Traktor gezogen wurde.

Ab 1975 wird die Verbandsgemeinde Träger der Feuerwehr

Seit dem 1. Januar 1975 untersteht die freiwillige Feuerwehr Gau-Weinheim als gemeindliche Einrichtung dem Verbandsbürgermeister. Die Verbandsgemeinde Wörrstadt, nun verantwortlich für die "äußere Führung", verbessert die Ausrüstung und kümmert sich auch um die Unterkünfte der Wehren in der VG. So wurden am 28. Mai 1982 alle 18 Wehrmänner mit neuen Uniformen ausgestattet und im Jahre 1983 wurde in der Sportfeldstraße 14 eine Fahrzeughalle gebaut. Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses wurde notwendig, nachdem die Ortsgemeinde Gau-Weinheim das Gebäude der ehemaligen Volksschule und des gemeindeeigenen Kindergartens zu einem Dorfgemeinschaftshaus umbaute und das heutige Feuerwehrgerätehaus als Durchfahrt für den dortigen Parkplatz des Dorfgemeinschaftshauses benötigt wurde. Im Jahre 1984 wurde die Feuerwehr mit einem Ford TSF Tragkraftspritzenfahrzeug ausgestattet und 1985 kam noch ein Schlauchwagenanhänger hinzu.

Führungswechsel bringt neuen Schwung

Nach fast 30 Jahren wählten die Feuerwehrangehörigen der freiwillige Feuerwehr Gau-Weinheim am 15.12.1989 folgende neue Führungskräfte: Wehrführer wurden Arno Enders, und dessen Stellvertreter Lothar Mann. Bereits 1991 konnte auch die Bevölkerung beim ersten "Tag der offenen Tür" den neuen Schwung

Feuerwehr Gau-Weinheim

spüren. Seitdem gab es in jedem Jahr ein solches Fest was von den Gau-Weinheimern sehr gut angenommen wurde. Auch im Verbandsgemeinderat hatten die wiederholten Berichte von Arno Enders über die schlechten Räumlichkeiten endlich Erfolg. 1992 beschloß die Verbandsgemeinde Wörrstadt ein neues Feuerwehrgerätehaus mit Unterrichtsraum, Teeküche, Werkstatt und sanitären Einrichtungen zu bauen. Das neue Feuerwehrgerätehaus wurde am 28. Oktober 1995 eingeweiht. Die Baukosten betrugen 271000 DM. Da nun durch das Ausscheiden vom älteren Feuerwehrkameraden sich die Truppe sehr verkleinert hatte entschloß sich die Feuerwehr im Jahr 1996 mit Informationsveranstaltungen und vor allem durch das persönliche Gespräch sich um neue Mitglieder zu bemühen. Dieses Engagement wurde mit mehr als 15 neuen Feuerwehrkameraden belohnt. Durch den frühen und unerwarteten Tod des Wehrführers Arno Enders wurden Neuwahlen fällig. Am 10.6.1996 wurde Lothar Mann zum neuen Wehrleiter und Markus Bergjohann zu dessen Stellvertreter gewählt und am 05.04.1997 wurde die Jugendfeuerwehr Wallertheim/Gau-Weinheim gegründet. Motiviert von all dem wurde auch der Ausflug der Freiwilligen Feuerwehr nach Sinsheim ins Technikmuseum und ins Heidelberger Schloss, welcher am 26.05.2002 statt fand, ein voller Erfolg. Für die Zukunft gibt es nun auch einige Herausforderungen: Das Verbandsgemeindeweinfest 2003, hier wird die Feuerwehr einen Essensstand betreiben, und auch um Nachwuchs müssen wir uns kümmern, da durch Wegzug und durch berufliche Gründe leider nicht alle Kameraden bei der Gau-Weinheimer Freiwilligen Feuerwehr bleiben können.

 

Autor: Erwin Gottschlich