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Aus „vallae rusticae“ werden fränkische Höfe

Von hier aus besetzten sie im 5. Jahrhundert auch unser Gebiet. Wenn alle unsere Ortsgemeinden - mit Ausnahme von Wörrstadt - wie ca. 140 andere rheinhessiche Orte auch, in ihren Ortsnamen die Endung „heim“ tragen, so ist das ein Zeichen dafür, dass sie ursprünglich fränkische Fron- oder Herrenhöfe waren. Vielfach gehen sie auf römische „vallae rusticae“ zurück, die nach dem Ahnherrn der Sippe benannt waren und später an geistliche Würdenträger oder verdiente Staatsbeamte verliehen wurden. Aus römischem Staatseigentum wurde so fränkisches Fiskalgut. In Schenkungsurkunden jener Zeit - zumeist an die berühmten Klöster Lorsch, Fulda und Trier - sind unsere Orte erstmals geschichtlich erwähnt. Aus solch einer Urkunde ist auch der frühe Anbau von Wein bei uns belegt.

Die Römer brachten uns den Wein

770 schenkten Erembertus und sein Bruder Salcho dem Kloster Lorsch einen Weinberg am „Wizenberge“, dem heutigen Wißberg bei Gau-Weinheim. Die Weinrebe wurde sicherlich von den Römern aus Italien mitgebracht und von Anfang an bei uns kultiviert. Andere Schenkungen wurden um die gleiche Zeit in „Sulziheim“ (Sulzheim), „Otenheim“ (Udenheim), „Bendirisheim“ (Vendersheim) und „Weristat“ (Wörrstadt) getätigt.

Die Franken waren bestrebt, im Zuge ihrer „Landnahme“ die römische Siedlungstradition fortzusetzen, indem sie die traditionellen Siedlungsplätze weiter ausbauten oder verlassene Ländereien neu bewirtschafteten. Denn die spätantike Bevölkerung dieser Gegend war nach dem Abzug der römischen Schutztruppen teilweise nach Süden gewandert, um den kriegerischen Wirren des 5. Jahrhunderts zu entgehen. Auf der anderen Seite vertrieben die neuen Herren nicht etwa den noch vorhandenen Rest der römischen Bevölkerung, sondern sie waren bestrebt, diese in ihren Herrschaftsbereich zu integrieren, was auch hervorragend gelang. Durch eine straff organisierte Verwaltung, verbunden mit immer neuem Zustrom fränkischer Siedler, wuchs die Gesamtbevölkerung in unserem Raum rasch an. Es wurden nicht mehr nur die ehemals römischen Plätze ausgebaut, sondern auch neue, rein fränkische Siedlungen angelegt, die sogar in die von den Römern bis dahin oft gemiedenen Waldgebiete und Talgründe vorangetrieben wurden.

Besonders unruhig und wechselhaft ging es im rheinhessischen Raum während der sogenannten „Franzosenzeit“ von 1792 bis 1814 zu. In dieser Zeit waren die Besitzverhältnisse der Landschaft zwischen Rhein, Lauter und Nahe so stark zersplittert, wie sonst nirgends im Deutschen Reich. In Rheinhessen gab es Gemeinden, die unter bis zu sieben Herrschaften aufgeteilt waren. Die Bewohner litten unter der Ausbeutung ihrer Herrschaft und deren Bürokratie. Das feudale Herrschaftssystem begünstigte Misswirtschaft, Korruption und Gewalt gegen die Untertanen, deren Rechte gering geachtet wurden.